Kulturentwicklung in mittelständischen Unternehmen

Typische Unternehmenskulturen - Das loyale Unternehmen – Funktional, Hierarchisch, Stabil  Wie man Menschen mit vergleichbaren Werten, Überzeugungen und Verhaltensweisen nach Persönlichkeitsstilen einordnet, kann man auch Kulturen mit vergleichbaren Attributen zusammenfassen.

 

In diesem und den nächsten beiden Artikeln werde ich die drei Hauptformen der Unternehmenskultur, die  in der westlichen Welt zu finden sind,  aufzeigen:

 

A) Das loyale Unternehmen - Funktional, Hierarchisch, Stabil
B) Das Erfolgssucher Unternehmen - Schlank, Schnell, Innovativ
C) Das teamorientierte Unternehmen - Langfristig, Menschlich, Multifunktional

 

Diese Kulturformen treten in der Praxis sehr selten in Ihrer Reinform auf. Tatsächliche Unternehmenskulturen bilden

immer eine Mischform, mit einem Hauptanteil und Nebenanteilen. Auch innerhalb des Unternehmens finden sich unterschiedliche Ausprägungen z.B. in HR, Vertrieb oder im Finanzbereich.

 

Das loyale Unternehmen - Funktional, Hierarchisch, Stabil

Ca. 30% der Organisationen in der westlichen Welt fallen unter diese Kategorie. 
Bei dieser hierarchisch strukturierten Kultur steht die langfristige, stabile Unternehmenssicherung auf Basis eines konformistischen Miteinanders im Mittelpunkt. Das Unternehmen gibt den Mitarbeitern Sicherheit und diese zollen dafür dem Unternehmen langfristige Loyalität. Deshalb eignet sich diese Form besonders für Organisationen in einem Umfeld mit wenigen Veränderungen und für Bereiche mit hohem Sicherheitsbedürfnis, wie z.B. Rechnungswesen oder Rechtsabteilung.

 

Diese Kultur ist gekennzeichnet durch die folgenden inneren, unsichtbaren Merkmale und deren Ausdrucksform im Außen:

 

Werte: Sicherheit, Stabilität, Loyalität, Zugehörigkeit, Hierarchie, Konformität, Regeln, Ordnung, Disziplin, Zuverlässigkeit, Gerechtigkeit

 

Motivation: Größe (im Idealfall Monopolstellung), Langfristige Existenz und Stabilität

 

Struktur: Funktional, streng hierarchisch

 

Prozesse: Viele Regeln, klar abgegrenzter Zuständigkeitsbereich, funktionsorientierte Prozesse („Dienstwege“), hierarchische Kommunikation, Beförderungen und Gehaltserhöhung abhängig von Ausbildung, Lebensalter und Firmenzugehörigkeit, feste Arbeitszeiten

 

Führung: „Command + Control“ über Anweisungen und Kontrolle der Regeleinhaltung, alle wichtigen Entscheidungen werden „oben“ getroffen, „Schwarz-Weiß/Richtig-Falsch“ Denken, Statussymbole wichtig

 

Umgangsformen: Sachlich, Vermeiden von Emotionen, Anrede mit „Sie“ und Titel, Risiko und Konfliktvermeidung, zuverlässig, Selbstentfaltung zugunsten des gemeinsamen Ziels hinten anstellen

 

Beispiele: Ämter und Behörden, Bildungseinrichtungen, traditionsreiche deutsche (Groß)unternehmen, größere patriarchalische Familienunternehmen, Kliniken, Militär


Das loyale Unternehmen – Nichts für Menschen, die mitgestalten wollen

Natürlich ist es für viele Unternehmen wichtig, wenn es klare Regeln, Strukturen und Abläufe  gibt und wenn diese zuverlässig und mit Disziplin umgesetzt werden. Auch eine langfristige Mitarbeiterbindung wird jedes Unternehmen begrüßen.
Begrenzend kann diese Kulturform werden, wenn das Bedürfnis nach Sicherheit keine Veränderungen mehr erlaubt, wenn aus Struktur -  Bürokratie wird oder wenn falsche Loyalität dazu führt, dass Menschen weiterbeschäftigt werden, obwohl sie weder die charakterlichen noch die fachlichen Fähigkeiten für ihre Position mitbringen. Die größte Angst in dieser Kultur ist es „einen  Fehler zu machen“, deshalb können sich schnell Schuldzuweisungen etablieren. Die Loyalität zu seiner „eigenen Gruppe“/Abteilung kann zu einem „Wir gegen die Anderen“ Symptom führen. Da wenig Input von den Mitarbeitern gesucht wird, leidet die Attraktivität für Menschen, die mitgestalten wollen.

 

Übertragung auf das eigene Unternehmen

Die folgenden Fragen können Sie unterstützen, die Kultur in Ihrem Unternehmen/Bereich besser zu erkennen:

 

•    Wie groß ist der Anteil des „Loyalen Unternehmens“ in Ihrer Kultur? 
•    Wer prägt diesen Aspekt der Kultur besonders und wodurch?
•    Brauchen Sie im Bezug auf die Ausrichtung des Unternehmens/Bereichs mehr oder weniger Elemente dieser Kultur?
•    Was könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein?


Fazit

Es gibt keine richtige oder falsche Unternehmenskultur. Es gibt nur eine passende oder unpassende Unternehmenskultur in Bezug auf die Ausrichtung des Unternehmens, der Branche und der Umweltbedingungen.

In der nächsten Woche werde ich in ähnlicher Weise auf die dominierende Form im westlichen Wirtschaftssystem eingehen, die Kultur die sich im „Erfolgssucher Unternehmen“ ausdrückt und Ihnen wieder die Gelegenheit geben, sich selbst und Ihr Unternehmen einzuordnen.

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